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Alles, außer gewöhnlich!
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Alles, außer gewöhnlich war es 1908, dass eine Frau an die Tür ihrer ersten eigenen Wohnung in Berlin schrieb: „Schriftstellerin und Redakteurin“. Marie Goslich.

Alles, außer gewöhnlich war es knapp 100 Jahre später, als sich in Caputh 2006 zwei Frauen finden, die eine Historikerin, die andere Naturwissenschaftlerin, die das große Werk dieser Fotografin und Journalistin wieder entdeckten. Helga Tauber und Krystyna Kauffmann.

Alles, außer gewöhnlich war es, dass sich im Gasthaus Baumgartenbrück die junge Wirtin und Marie Goslich, die seit 1925 in Geltow wohnte, so eng miteinander befreundeten, dass Marie Goslich der Gastwirtin einen unglaublichen Schatz anvertraute: ihre Glasnegative. Intuitiv wusste diese um den historischen Wert des Negativmaterials und verwahrte es - so gut es ging - in den Wirrren der Kriegszeit. Lieselotte Herrmann.

Das gesamte Negativmaterial bewahrt heute der Sohn in einer Privatsammlung auf. Albrecht Herrmann.

Ein Fotograf aus Geltow hat das gesamte Werk digitalisiert. Mathias Marx.

Ein Spezialist für Mikrofotografie aus Caputh hat das Material für einen Bildband bearbeitet. Manfred Friedrich.

Eine Caputherin hat Korrektur gelesen. Christine Stoof.

Alles, außer gewöhnlich – diese großartige Zusammenarbeit innerhalb einer Gemeinde. Entstanden sind dadurch zahlreiche Publikationen und drei Bücher. Das letzte Buch, um das es in diesem Artikel geht und welches Lieselotte Herrmann gewidmet ist, erschien im November 2016, Herausgeberin: Krystyna Kauffmann

Marie Goslich: Krystyna Kauffmann & Richard Reisen, Ein Leben hinter Glas, 2016, Verlag Kettler, Dortmund


Als ich das Buch in die Hand nehme, verliebe ich mich sofort in das Cover, in dieses Mädchen, welches da die Tür öffnet. Und ich genieße die wunderbare Haptik des Bandes. Das Buch schmeichelt den Händen und es berührt das Herz, wenn man die Fotos – es sind über 300 – anschaut. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte. Und die Geschichten werden lebendig und nehmen immer mehr Gestalt an, wenn Krystyna Kauffmann noch Einzelheiten dazu erzählt. Sie weiß von fast allen Fotos, wo sie aufgenommen sind, welche Inhalte sie vermitteln möchten. Ich könnte stundenlang lauschen, denn die Herausgeberin ist eine wahre Geschichtenerzählerin. Gleichzeitig fasziniert mich, wie verwoben die Autorin mit diesem Thema ist - dieses Buch ist ihr drittes Buch über Marie Goslich. Und ich verstricke mich auch in diese Pionierin ihrer Zeit, in ihr fortschrittliches Denken, in ihre ungewöhnlichen Entscheidungen, in ihren Mut. Denn keine Frau außer ihr hat Anfang des 19. Jahrhunderts Journalismus mit Fotografie verknüpft, war so sozialkritisch, war Redakteurin der Zeitschrift „Körperkultur“, war Mitglied der Bodenreformer unter Adolf Damaschke und vieles mehr. Beeindruckt hat mich auch das Detail, dass Marie Goslich den unehelichen Sohn ihres Mannes adoptiert hat. Alles, außer gewöhnlich, oder?

Krystyna Kauffmann erzählt mir, wie sie gemeinsam mit Helga Tauber auf dem Boden saß, wie sie die Glasnegative sorgfältigst reinigten und sich austauschten. „Helga Tauber habe ich alles zu verdanken. Ich lernte von ihr historisch zu denken, genau zu sein, nach historischen Quellen zu suchen. Ohne sie wäre die Wiederentdeckung von Marie Goslich nicht geglückt“.

Leider ist Helga Tauber Anfang diesen Jahres verstorben, was Krystyna Kauffmann sehr traurig macht. Nun wird sie Marie Goslich ohne Helga Tauber weiter entdecken müssen. Denn es gibt noch eine Menge Aufzeichnungen von Lieselotte Herrmann, die vieles aus den Gesprächen mit Marie Goslich in Form von Notizen und auf Band gesprochenen Erinnerungen festgehalten hat.

Doch bevor ein viertes Buch sich seinen Weg bahnt, hat Krystyna Kauffmann eine Ausstellung in elisabeth am see® kuratiert.


Ausstellungseröffnung mit K. Kauffmann am 26. März um 18:15 Uhr
Konzert zur Ausstellung I Rilke, Bartok, Satie, Fauré I 26. März um 17:00 Uh
B.Masopust – Gitarre I C.Uhde – Schauspiel I B.Kaltenhäuser – Cello
Eintritt: 15 € im Vorverkauf I 20 € Abendkasse
Reservierung erbeten unter info@elisabeth-am-see.com

Ich kann nur jedem, jeder empfehlen, hinzugehen, dem Konzert oder dann den Geschichten von K. Kauffmann zu lauschen und sich inspirieren zu lassen. Denn: alles, außer gewöhnlich!


Eva Loschky
 
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